Interview von Leser-Welt.de vom Dezember 2009

Guten Tag Herr Schulz*.
In Ihrem Brotberuf sind Sie als freier Berater selbstständig und unterstützen u.a. Ärzte, Kliniken und Vereine. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich hatte einfach Lust, ein Buch zu schreiben. Das Thema war von Anfang an klar: Es sollte ein Politthriller werden. Der Grund hierfür war eine große Politverdrossenheit.

Wie gehen Sie an das Schreiben heran? Halten Sie hierzu ein bestimmtes Ritual, zum Beispiel eine vorgegebene Seitenzahl, die in einer bestimmten Frist entstehen muss, ein?

Ich habe kein bestimmtes Ritual. Das einzige, was mir auffiel, war, das ich am besten abends oder nachts schreiben kann. Aber weder nehme ich mir eine bestimmte Seitenzahl pro Tag vor, noch setze ich mir eine Frist. Das Buch ist fertig, wenn die letzte Seite geschrieben ist.

Für einen angehenden Schriftsteller, der noch keine Bücher veröffentlicht hat, stellt es sich zumeist schwierig dar, einen Verlag für die erste Zusammenarbeit zu finden. Welche Hindernisse mussten Sie überwinden, bis das Manuskript von einem Verlag angenommen wurde?

Alleine diese Geschichte wäre es Wert, ein Buch darüber zu schreiben. Als „Autorenfrischling” hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie es weiter geht, wenn das Buch fertig ist. Also habe ich den Begriff „Verlag” gegoogelt und prompt fand ich Verlage, die Autoren suchen. Was die Bezeichnung „Druckkostenzuschussverlag” bedeutet, wurde mir erst klar, als die ersten Verlagsverträge ins Haus flatterten und ich feststellte, dass man von mir zwischen 2.000,00 EUR und 25.000,00 EUR verlangte, damit mein Buch verlegt werden könnte. Das war schon ziemlich ernüchternd. Von diesen Angeboten habe ich Abstand genommen. Ich schickte mein Manuskript Anfang Juni 2009 an 30 Verlage. Ende Juni bekam ich eine Mail von periplaneta und als ich feststellte, das periplaneta dem Fair Verlag angehörte, unterzeichnete ich Anfang Juli den Vertrag.

Was war das für ein Gefühl, das erste Mal Ihr eigenes, gedrucktes Buch in den Händen zu halten?

Diesen Augenblick werde ich mein Leben nicht vergessen. Es war ein Mittwochabend gegen 23.00 Uhr. Ich lag im Bett meines Hotelzimmers, als mein Handy klingelte und Thomas Managold vom Verlag mir mitteilte, dass die Bücher angekommen seien. Ich zog mich wieder an, bestellte mir ein Taxi und fuhr zum Verlag. Da lagen dann meine Bücher…unglaublich. Wir saßen bis 01.30 Uhr zusammen und haben gefeiert. So etwas erlebt man nur mit einem der kleineren Verlage.

Mit Ihrem Buch „Das Kanzlerspiel” feiern Sie als Jungautor Ihr Debüt. Würden Sie unseren Lesern zunächst kurz verraten, worin es in Ihrem Werk geht?

Es geht um einen unerfahrenen und unbekannten Innensenator, der von 4 hochrangigen Parteifunktionären als Kanzlerkandidat und Hoffnungsträger auserkoren wird. Natürlich wollen diese ihn als Marionette benutzen. Allerdings durchschaut mein „Held” dieses Spiel und versucht nun seinerseits, seine Pläne für das Land umzusetzen. Damit macht er sich natürlich Feinde. Als er dem Zentrum der Macht immer näher kommt, erfährt er von einer Verschwörung, welche die gesamte Republik in den Abgrund reißen würde. Fortan kämpft er an mehreren Fronten, um diese Verschwörung aufzudecken. Dabei riskiert er sein Leben.

Wie sind Sie zu der Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben? Gab es hierfür einen bestimmten Auslöser?

Ich wollte einen Roman schreiben, der zwar reine Fiktion ist, aber bei dem der Leser denkt, „Ja, das könnte wirklich so passieren.” Die ersten Zeilen schrieb ich nach der Bundestagswahl 2005. Ich dachte mir, dass bei der Auswahl an Kandidaten für den Bundeskanzler die Wahl wirklich schwer fällt. Was fehlt, ist einer, der wirklich mal etwas Neues wagt. Ein unkonventioneller Kandidat. Aber die gibt es nicht. Aber was wäre, wenn… Als dann Obama 2008 ins Rennen um die Präsidentschaft ging, dachte ich mir „Jetzt oder nie!” Aktualisiere das Buch und raus damit!

Dem Leser Ihres Buches fällt natürlich sofort auf, dass der Protagonist den gleichen Namen trägt wie Sie. Dies ist doch gewiss kein Zufall?

Das ist kein Zufall. Ich wollte ein Pseudonym verwenden, da der Name Schulz nicht gerade berauschend klingt. Also entschied ich mich für V.S. Gerling, wobei das V.S für Volker Schulz steht. Das Gerling ergab sich dann von selbst.

Wie viel verarbeiten Sie von Ihrer Persönlichkeit bzw. eigenen Erfahrungen in diesem Buch?

Ich könnte mich nicht davon frei sprechen, keine persönlichen Meinungen oder Gedanken einfließen zu lassen. J.P. Gerling sagt schon vieles, was ich sagen würde. Er tut auch vieles, was ich an seiner Stelle tun würde.

Ihr Werk nutzt die deutsche Landes- und Bundespolitik als Bühne für einen Thriller. Sind sie selbst politisch aktiv, und wenn ja, in welchem Maße?

Ich war Mitglied einer Partei, bin es aber nicht mehr. Meine politische Aktivität beschränkt sich aufs Wählen und auf das Schreiben von Politthrillern.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für die Verdrossenheit so vieler Deutscher über die politische Führung?

Ich denke, die Menschen haben das Vertrauen verloren. Sie hören immer die gleichen Floskeln, sehen immer die gleichen Gesichter, die diese Floskeln heraus posaunen. Nur ändert sich nicht wirklich etwas. Das beste Zeichen dafür war das unglaubliche Interesse an der Präsidentschaftswahl in den USA. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Auf einmal wurden in Deutschland Rufe nach einem Hoffnungsträger laut. Kurt Beck versuchte sich in „Yes, we can” und Graf Karl Theodor zu Guttenberg war auf einmal ein eben solcher Hoffnungsträger und die Presse verglich ihn schon mit Obama. Da ist ein großer Hunger nach Veränderung, nach Wechsel. Aber da ist niemand, dem man diese Veränderung abnehmen oder zutrauen würde. Traurig, aber wahr.

Sie lehnen zu Beginn Ihres Romas die Suche einer der Volksparteien nach einem deutschen staatsmännischen Helden an die politische Entwicklung in den USA an. Welche Einflüsse hat Ihrer Meinung nach die amerikanische Politik auf die der deutschen?

Die US-Außenpolitik hat einen enormen Einfluss. Nicht nur auf die deutsche Politik. Vielmehr auf die weltweite Politik. Das auch eine fehlerhafte amerikanische Innenpolitik einen weltweiten Einfluss hat, sehen wir an die Finanzkrise, die ihren Ursprung in den USA haben – aufgrund einer mangelhaften Regulierung und Kontrolle der Finanzmärkte – die ja so gewollt war.

Sie greifen in „Das Kanzlerspiel” das Thema Kindesprostitution auf, was in den westlichen Gesellschaften auch heute noch häufig tabuisiert wird, und verbinden dies mit den Kreisen der Reichen und Einflussreichen dieses Landes, insbesondere auch Politikern. Reine Fiktion oder das Ergebnis intensiver Recherchearbeiten?

Das ernsthaft und akribisch zu recherchieren dürfte schwer und wohl auch gefährlich sein. Aber es passt in unsere Gesellschaft und ist, das ist meine persönliche Meinung, sicher nicht fern jeder Realität.

Der Protagonist Ihres Werkes, Jan Phillip Gerling, ist nicht nur charismatisch, sondern auch ehrlich, offen und direkt. Eine Führungsperson, wie sie sich viele wünschen. Hatten Sie bei der Ausarbeitung eine bestimmte Person aus dem realen Leben vor Augen?

Es wäre schön, an dieser Stelle sagen zu können „Da ist dieser oder jener Politiker, der dieser fiktiven Person nahe kommt” Leider ist dem nicht so. Diese Person entspringt einzig meiner Fantasie.

Die Schwester von J. P. Gerling wird das Opfer einer Mordserie, bei der die Täter mit den Ängsten ihrer Opfer spielen. Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Art, Ihre Figuren töten zu lassen?

Auch dies entspringt meiner, zugegebenermaßen manchmal bizarren, Fantasie. Ich versichere jedem, der mich kennt, dass es in meinem Keller keinen derartigen Raum gibt.

Sie arbeiten bereits an Ihrem nächsten Roman. Geben Sie uns einen kurzen Ausblick auf den Inhalt? Handelt es sich gar um eine Fortsetzung von „Das Kanzlerspiel”?

Die Forstsetzung trägt den Arbeitstitel „Das Schattenspiel”. Ich hoffe, dass aus dem Arbeitstitel auch ein Buchtitel wird. Dies muss noch geklärt werden. „Das Schattenspiel” beginnt ca. 6 Monate nach dem Ende von „Das Kanzlerspiel”. Es geht in dem neuen Buch um Terroranschläge in Europas Metropolen. Alles deutet auf Al Quaida hin. Der deutsche Bundeskanzler und der amerikanische Präsident finden jedoch heraus, dass die Anschläge von einer anderen, weitaus gefährlicheren Gruppe verübt wurden und dass weitere Anschläge bevorstehen. Auch hier geht es wieder um eine Verschwörung. Die ist jedoch weitreichender, als anfangs vermutet.

Gibt es etwas, dass Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Es klingt wie eine Phrase. Es ist aber keine. Jeder Mensch sollte jeden Tag versuchen, diese Welt ein klein wenig besser und schöner zu machen. Wenn uns das gelingen würde…

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben.

* V.S. Gerling ist das Pseudonym von Volker Schulz.
Interviewtext von Sven Trautmann, Leser-Welt.de