Über das Schreiben

Die Entstehungsgeschichte von „Das Kanzlerspiel”

Schreiben ist ein wunderschönes Hobby – aber auch ein einsames. Zu erleben, wie aus einer Idee eine Geschichte wird, wie die Geschichte dann eine Eigendynamik entwickelt – Personen tauchen plötzlich auf, an die man zuvor überhaupt nicht gedacht hat – die Geschichte nimmt einen Verlauf, den man gar nicht auf dem Zettel hatte – das ist fantastisch.
Die ersten Zeilen meines Debütromans „Das Kanzlerspiel” schrieb ich im Jahre 2004. Ein Jahr später war der erste Entwurf fertig. Der gesamte zweite Teil des veröffentlichten Romans fehlte hier noch. Ich fand recht schnell einen Agenten, der davon überzeugt war, einen geeigneten Verlag zu finden. Ich unterschrieb den Agenturvertrag und hörte nie wieder etwas von ihm. Ein Jahr später erhielt ich die Kündigung des Agenten. Ich schrieb einige Passagen des Romans um und begann dann Ende 2006 mit meinem zweiten Buch. Ich hatte ungefähr 90 Seiten meines zweiten Romans geschrieben, da geschahen einige Dinge in meinem Leben, die dazu führten, das ich über ein Jahr keine Zeile mehr schrieb. Dann kamen Ende 2008 die Präsidentschaftswahlen in den USA und Obama wurde gewählt.

Diese Wahlen waren für mich eine Art Initialzündung. Ich schrieb das erste Buch innerhalb eines halben Jahres komplett um und versandte es im Juni 2009 an 30 Verlage. 4 Wochen später hatte ich einen Verlagsvertrag unterschrieben und weitere 8 Wochen später hielt ich mein eigenes Buch in den Händen – eine unglaubliche Entwicklung und ein unbeschreibliches Gefühl.

Allerdings hatte diese Geschichte natürlich auch eine kleine, aber feine Vorgeschichte…

Die Erlebnisse eines Neu-Autoren

Wenn das Manuskript fertig ist, möchte man natürlich auch, dass es publiziert wird. Das ist der Moment, in dem man in eine Welt eintaucht, die einem zuvor vollkommen unbekannt war – der Welt der Autoren und Verlage…
Ich googelte den Begriff Verlage, und, oh Wunder, da tauchten doch tatsächlich gleich auf der ersten Seite Verlage mit wohlklingenden Namen auf, die Autoren suchten!
Das waren natürlich die ersten Verlage, die ich anschrieb. Es waren auch die ersten Verlage, die mir antworteten – alle mit positiven Bescheid! Alle wollten sie mein Buch verlegen. Allerdings wurde aus Begeisterung Bestürzung, als ich weiterlas und feststellte, dass eben diese „Verlage” zwischen 6.000 und 25.000 Euro von mir haben wollten…
Ich dachte ungefähr 2 Minuten darüber nach und entschied dann, dass es mir nicht einen Euro meines eigenen Geldes wert war, mein Buch herauszubringen. Entweder es hat die Qualität, dann findet sich auch ein Verlag, oder eben nicht.

Kleine Anekdote am Rande: Ich erhalte heute noch von großen Verlagen Absagen für das Manuskript „Das Kanzlerspiel”. Mit denen kann ich natürlich gut leben, da das Buch ja schon erschienen ist…

Die Entstehungsgeschichte zu „Pakt des Bösen”

Im März 2010 beendete ich die Arbeiten an meinem zweiten Roman „Pakt des Bösen”. Dieser Roman wird Ende 2010, Anfang 2011 erscheinen. „Pakt des Bösen” ist die Fortsetzung von „Das Kanzlerspiel”. Auch hier sind, wie im Kanzlerspiel, die Hauptprotagonisten Bundeskanzler Gerling und Präsident Clifford. Die ersten Zeilen zu „Pakt des Bösen” schrieb ich unmittelbar nach Beendigung von „Das Kanzlerspiel”, also in 2006. Ich wollte unbedingt die Geschichte des Kanzlers Gerling weiter erzählen. Vor allem deshalb, weil die Protagonisten aus „Das Kanzlerspiel” mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Ich verspürte einen fast schon unheimlichen Sog. Es war so, als würden die Gerlings, Rosenthals und von Sengens auf eine Fortsetzung bestehen und ich konnte und wollte mich dem nicht entziehen. Auch die Geschichte des US-Präsidenten Clifford war noch nicht vollständig erzählt. Die Story ergab sich dann fast wie von selbst. Und auch hier gab es wieder diese unheimliche Eigendynamik…

Die Geschichte über Bundeskanzler Jan Philip Gerling ist noch nicht beendet. Mindestens einen Roman über ihn wird es noch geben. Aber ähnlich wie sich beim Schreiben einer Geschichte Personen aufdrängen und auf ihr Recht bestehen, einen Platz in dem Roman zu finden, so drängen sich auch ganze Geschichten auf. Deshalb werde ich förmlich dazu gezwungen, die Arbeiten am Roman „Die Schattenkrieger” aufzunehmen. Wenn überhaupt, dann wird Bundeskanzler Gerling in diesem Roman nur am Rande auftauchen.

Eine kleine Geschichte über Autoren

Es gibt in Deutschland jede Menge Foren, in denen sich Autoren austauschen. Am „lautesten” sind da meistens die Autoren, die ihr Buch entweder in einem Druckkostenzuschussverlag oder bei BoD „verlegt” haben. Das sind auch meistens diejenigen, die ihre „Werke” in Eigenwerbung als die absoluten Hammerwerke anpreisen. Es ist schon so, dass die Ablehnung durch einen der großen Verlage nicht unbedingt bedeuten muss, dass das eingereichte Manuskript nichts taugt. Vielmehr ist es so, dass die großen Verlage mit Manuskripten überhäuft werden und somit das erste Raster, durch das ein Manuskript geht, eher sehr groß ist. Anders ist es ja auch nicht zu erklären, warum das Manuskript zum ersten Harry Potter Roman von einigen großen Verlagen abgelehnt wurde.

Nun trennt sich aber die Spreu vom Weizen…

Wenn ein Verlag mein Manuskript ablehnt und ich weiß, dass das nicht bedeuten muss, das mein Manuskript schlecht ist, dann versuche ich es weiter. Es wäre vielleicht eine gute Idee, mich nicht nur auf die „üblichen Verdächtigen”, also die großen Verlage zu konzentrieren, sondern auch mal die kleineren oder gar die ganz kleinen Verlage anzuschreiben. Die schreiben nämlich nicht nur standardisierte Absagen. Die geben sich teilweise große Mühe, dem Autor mitzuteilen, warum sie ein Manuskript ablehnen. Das kann ungemein hilfreich sein.
Fakt ist, es hat einen Grund, warum ein Manuskript abgelehnt wird. Die Frage ist nun, wie groß das Ego des jeweiligen Autors ist. Will er sein eigenes Werk unbedingt in Buchform in den Händen halten, dann begibt er sich halt in die „Niederungen” der Druckkostenzuschussverlage. Oder er wählt den Weg zu BoD. BoD steht übrigens für Books on demand, also Bücher auf Nachfrage. Der Autor kann hierbei auf unterschiedliche Angebote zugreifen, wie z.B. Lektorat, Covergestaltung und ähnliches mehr. Der BoD Verlag lässt sich für seine Arbeiten vom Autor bezahlen. Er druckt keine Startauflage, sondern es werden immer dann im Digitaldruckverfahren Exemplare gedruckt, wenn dieses Buch bestellt wird.
Es ist aber auch eine Tatsache, das ein BoD Verlag auch einen 400 Seiten starken Wälzer über das Paarungsverhalten von Schneehasen drucken würde. Es ist dem Verlag nämlich vollkommen schnuppe, ob die Bücher verkauft werden, oder auch nicht. Der Verlag verdient am Autor, nicht am verkauften Buch.
Meine persönliche Meinung ist, dass kein unbekannter Autor die Hoffnung haben sollte, irgendwann vom Schreiben leben zu können. Das ist der falsche Ansatz, um mit dem Schreiben zu beginnen. Entweder, er hat eine Geschichte zu erzählen, oder nicht. Hat er keine zu erzählen, sondern fängt er an, sich den Markt anzuschauen, um festzustellen, was gerade in ist, um dann genau so ein Buch zu schreiben, dann ist der Misserfolg vorprogrammiert.
Ich habe mein erstes Buch nur für mich geschrieben. Als ich anfing zu schreiben, hatte ich eine Veröffentlichung überhaupt nicht im Sinn. Das soll nicht bedeuten, dass es nur so geht. Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, der Weisheit letzten Schluss gefunden zu haben. Aber ich denke, dass das Motiv, weshalb ich ein Buch schreibe, die Geschichte sein sollte, und nicht die Hoffnung, groß rauszukommen und viel Geld zu verdienen…

V.S. Gerling, im Mai 2010